Montag, 12. Dezember 2011

Spectacle müssen sein - Barockfest in Schloss Hof 2011

Meine Lieben,

wie sicher einige von Euch wissen, weilte ich am 23. August diesen Jahres auf dem Barockfest zu Schloss Hof im Marchfeld in Österreich.
Es war ein ganz bezaubernder Abend, den ich im Kreise sehr lieber alter und neuer österreichischer Freunde genießen durfte. Auch lernte ich dort einige Leute aus den Wiener Museen kennen, mit denen ich ganz wunderbar über Kaiserin Maria Theresia, ihre Kinder, und ihre Zeit dikutieren konnte.
Das Ergenis war, dass ich wenige Tage später eine kleine Privatführung durch das Schloss Schönbrunn erhalten habe, auch in die sonst nicht zugänglichen Räumlichkeiten, wie die Bergl-Zimmer und die Weiß-Gold-Zimmer. Dafür an die Verantwortlichen nochmals meinen herzlichen und tief empfundenen Dank!! :)

Zu meiner großen Überraschung wurde ich, zusammen mit meiner lieben Freundin Olivia, eingeladen an dem Kostümwettbewerb teil zu nehmen. Zu meiner großen Freude haben Olivia und ich den ersten Platz gemacht, und haben ein Collier von Swarovski gewonnen. Auch dafür vielen vielen Dank an Alle, die uns auf dem 1. Platz gewählt haben!!! :)

Da ich Euch ein paar Impressionen nicht vorenthalten möchte, folgen hier ein kleiner Film und ein paar Bilder, ich hoffe sie gefallen Euch.

Auf dem folgenden Video bin ich nur sehr kurz zu sehen, vom 00:25-00:30 in meiner großen roten Robe á la Francaise de Cour.



Und hier noch ein paar Bilder von der Preisverleihung, und der abendlichen Stimmung im Schlosspark. Viel Spaß beim anschauen :)

Zuerts einmal die sehr schöne Fotostrecke von Jutta Kirchner und die 180 Aufnahmen von party.at.

Als nächstes hier noch ein kleines Video, auf dem ich ganz am Anfang mit meinen Freunden zu sehen bin:




 
Zu guter Letzt noch ein paar Fotos von mir in meiner Rolle als Erzherzogin Maria Josepha (1751-1767), der drittjüngsten Tochter von Maria Theresia der Großen: 
 

 
 

Sonntag, 13. November 2011

Festreigen der Musen - Il Parnaso confuso

Am 24. Jenner des Jahres 1765 wurde im Sale d´bataille des Schlosses Schönbrunn die Oper "Il Parnaso confuso - Die Verwirrung der Musen"  uraufgeführt. Dieses bezaubernde Werk des begnadeten, und bis heute in der Welt der klasischen Musik hoch angesehenen, Kompositeurs Christoph Willibald Gluck gilt neben seinem Hauptwerk "Il Chinesi" zu seiner bekanntesten und schönsten Komposition. Das Libretto für diese Oper schrieb der Hofpoet Abate Pietro Metastasio (198-1782).
 "Il Chinesi - Die Chinesen" war im übrigen die Lieblingsoper Maria Theresias.

Geschaffen wurde diese 73 Minuten dauernde Serenata anlässlich der Hochzeitsfestlichkeiten des ältesten Sohnes Maria Theresias, den späteren Kaiser Joseph II. (1741-1790), mit der churfürstlich-bayrischen Prinzessin Maria Josepha Antonia (1739-1767).
Es war Josephs zweite Ehe, die er nur mit größtem Wiederwillen einging. Von 1760-1763 war er mit der berückend schönen, hochintelligenten und exaltierten Isabella Maria von Parma (1741-1763) verheiratet, die er sehr liebte und anbetete.
Als Isabella im November 1763, noch sehr geschwächt durch die Frühgeburt ihrer Tochter Christine, an den schwarzen Blattern verstarb, war Joseph zutiefst unglücklich.  In einem sehr berührenden Brief an seinen Schwiegervater in Parma schrieb Joseph: "Ich habe alles verloren. Meine Gattin, der Gegenstand all meiner Zärtlichkeit, meine einzige Freudin ist nicht mehr... Betrübt und bedrückt weiß ich kaum, wie ich weiterleben soll. ... Werde ich überleben können? Wenn ja, so nur, um mein ganzes Leben hindurch unglücklich zu sein..."
Diese Worte sollten sich im Rückblick als wahrhaft prophetisch erweisen. Joseph war und blieb ein einsamer Mensch, er wurde immer mehr zu einem Asketen auf dem Kaiserthron, seine Seele und sein Herz waren hart und anderen Menschen unzugänglich geworden.

Als er sich, von seinen Eltern dazu gedrängt, 1764 dazu entschied die bayerische Prinzessin zu ehelichen, geschah dies beleibe nicht aus Liebe. Josephs erste Pflicht als Thronfolger war es für einen, oder besser mehrere eingedenk der hohen Kindersterblichkeit, männliche Nachkommen zu sorgen, damit der männliche Stamm des Hauses Habrbugr-Lothringen nicht ausstarb.
Viel Auswahl hatte Joseph auf seiner Brautschau nicht. Die in Frage kommenden Bewerberinnen mussten mehrere Bedingungen erfüllen, sie mussten aus einem den Habsburgerin ebenbürtigem Adelsgeschlecht stammen, jung und gesund sein, und vor allem katholischen Glaubensbekenntnisses sein.
Unter den vielen Prinzessinen, die das absolutistische Europa damals zu bieten hatte blieben schlussendlich nur zwei Kandidatinnen, Maria Kunigunde von Sachsen (1740-1826), Tochter des Churfürst-Königs Friedrich August II von Sachsen-Polen (1696–1763) , und Maria Josepha von Bayern, ihres Zeichens Tochter Kaiser Karls VII. (1679-1745) und der Erzherzogin Maria Amalia (1701-1756).
Da ihm Kunigunde von Sachsen zu hässlich und ungebildet war, entschied sich Joseph notgedrungen für die, in seinen Augen weniger übel geratene, Maria Josepha.

Eine Beschreibung aus Josephs Feder ist erhalten geblieben, die er seinem ehemaligen Schwiegervater nach Parma sannte, und die kein gutes Haar an der armen Josepha lies: "Die Prinzessin von Bayern ist 26 Jahre alt, von kleiner und dicker Gestallt, und mit hässlichen Zähnen ausgestattet. ... Wie sie nach den Pocken einmal ausschauen wird, die sie noch nicht gehabt hat, mah ich mich garnicht ausmalen. Der Ehestand mit ihr ist für mich undenkbar, wie es das ertragen soll, wo ich in meiner ersten Ehe das absolute Gegenteil vorfand, weiß ich beim besten Willen nicht zu sagen."

Keine guten Vorraussetzungen für eine Ehe. Trotzdem wurde am 23. Jenner 1756 der Bund des Lebens zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Menschen geschlossen.
Die  Festlichkeiten die sich an die Trauung in den kommenden Tagen anschlossen, waren keinesfalls so prächtig und überschwenglich wie jene im Jahre 1760.

Höhepunkt der Festlichkeit war am Abend des 24. Jenner eben jene Oper "Il Parnaso Confuso", die von vier Schwestern des Bräutigams gesungen wurde. Die gesangliche Leistung, die diese vier jungen Mädchen dabei erbrachten, muss so beachtlich gewesen sein, dass der Hofpoet Abate Pietro Metastasio (198-1782), der das Libretto der Oper verfasste, auf seinem Totenbett noch darüber sagte, er habe niemals in seinem ganzen Leben  eine schönere Sopranstimme gehört als die der Erzherzogin Amalia!

"Il Parnaos confuso" I. Version                   
   


  "Il Parnaso confuso" II. Version

(v.l.n.r.: Maria-Josepha als Muse Euterpe, Maria-Elisabeth als Muse Melopomene, Maria-Amalai als Sonnengott Apollo, und Maria-Carolina als Muse Erato)
                                                                


                                           Aufführung im Sale d´bataille zu Schönbrunn
(erste Reihe v.l.n.r.: Erzg. Joseph, Kaiser Franz I. Stephan, Kaiserin Theresia,                         Prinzessin Josepha von Bayern, Erzherzoginnen Maria-Anna & Maria-Christina, Prinzessin Charlotte von Lothringen (Schwester Franz Stephans) und ihr Bruder Prinz Karl-Alexander von Lothringen. Im Orchestergraben dirigiert Erzg. Leopold als Maestro al Cembalo die Vorstellung)    


Diese "kleine Operchen", wie es der Hofchonisch Johann Joseph Khevenhüller-Metsch (1707-1767) so treffend bezeichnete, handelt von dem Problem eines künstlerischen Einfalls.
Man muss bedenken, dass Metastasio und Gluck bei den vielen feierlichen Anlässen wie Geburtstagen, Namenstagen, Todestagen, Hochzeiten, Taufen, Toisonsfeiern, ec. p.p. so viel zu tun hatten, dass ihnen kaum noch passenden Sujet´s einfallen wollten, um diesen Feiern einen angemessenen Rahmen zu verleihen. Auf dieses nicht ganz undelikate Problem macht Metastasio in seinem Libretto wie man so schön sagen würde "durch die Blume" aufmerksam.
Auch ärgerten sich Gluck und Metastasio über die sehr strengen Vorschiften, die im Bezug auf die Kostüme der Erzherzoginnen galten, darin sahen sie eine weitere Beschränkung ihrer künstlerischen Freiheit.

Die Handlung spielt auf dem Berg Parnas, der Heimat der neun olympischen Musen, ihres Herrn Apollo, des Gottes der Sonne und der Musik, und des Musenroses Pegasus .
Dort führen die Musenschwestern Erato (Maria Carolina, 13 J.), Melopomene (Maria Elisabeth, 21 J.) und Euterpe (Maria Josepha, 14 J.) ein Leben in Müsigkeit. Schon lange hat niemand mehr von Ihnen eine Probe ihres großen Könnens gefordert. Da erscheint eines Tages Apollo (Maria Amalia, 19 J.) bei seinen Musen, und fordert diese auf einen Lobgesang zu den Hochzeitsfeiern Josephs mit 'Bayerns schönster Rose' beizutragen, die bereits am kommenden Tag statt finden wird. Die Verwirrung bei den Musen ist mehr als groß, da sie nicht wissen, wie sie ein solches Werk in so kurzer Zeit bewältigen sollen, daher lies Metastasio seine Musen Beschwerde darüber führen, dass Apollo ihnen nur so gerine Vorbereitsungszeit gewährt habe...



                                                     Maria Elisabeth als Melopomene
Melopomene klagt in ihrer berührenden Aria da capo "In un mar, che non ha sponde - Auf einem Meer ohne Ufer" , dass sie sich fühle wie ein kleines Schiffchen, dass hilflos auf den tosenden Wellen unhergeworfen wird.



                                                      Maria Amalia als Apollo
                                                   


Apollo macht den Musen daraufhin Mut und gemahnt sie an ihre Pflicht und Tradition in der Aria da capo "In fronte a voi risplende per la sublime impresa - Bevor du verzweifelts an unserem großen Unternehmen". Darauf verässt Apollo seine verzweifelten Musen, um die anderen sechs Musen zu suchen und hinzu zu holen, verspricht jedoch beim Schein der ersten Morgenröte zurück zu kehren, um mit seinen Schwestern gemeinsam zu den Feierlichkeiten zu erscheinen.



Maria Carolina als Erato
                                                  


Erato, die Muse der Liebesdichtung, lässt ihre Lyra erklingen und singt eine der schönsten Arien dieser Oper "Di questa cetra in seno pien di dolezza - Liebe mit der Lyra besungen erweckt selbst die Begrabenen" . Doch dieses Lied erscheint Euterpe als zu traurig, und wird darum verworfen.


                                                       Maria Josepha als Euterpe


Euterpe, die Muse der lyrischen Poesie spielt die Flöte (in der Oper durch eine Oboe vertont) und sing die überirrdisch schöne Pastoral-Aria da capo "Fin lá dove l´aurora - Dort wo der Morgengrauen vergoldet", doch auch dieses Stück wird von Erato und Melopomene als ebenfalls unpassend und zu wenig bedeutend empfunden.                    
 
Den ganzen Abend und die ganze Nacht hindurch suchen die drei verzweifelt nach einem passenden Sujet aus der antiken Mythologie, doch weder die Hochzeit von Peleus und Thetis, noch die von Herkules und Hebe, geschweige denn die Amor-und-Psyche-Liebesgeschichte erscheinen ihnen passend zu einem solchen Anlass.

Die Nacht weicht dem Tag, und noch immer haben die schönen Musen, gegenseitigem Ausprobieren der Instrumente zum Trotz, nichts zu Wege gebracht.
Da kehrt Apollo zurück, verärgert darüber das er die anderen Musen nicht hat finden können, und ruft die drei verliebenen auf, auch mit leeren Händen an dem großen Fest teil zu nehmen, da man es ihnen ob ihrer schönen Stimmen, ihres Talents und ihrer angenehmen Erscheinung nicht übel nehmen würde.

Die Aufführung endet mit einem zauberhaften hoffnungsvollen Duett von Apollo und Melopomene mit dem Titel "Nel mirar solo i sembianti - Lasst uns nur die Gesichter sehen" und einem freudenvollen Quartett "Di lor ciglia un lampo - Der Blitz ihrer Augen" , in dem Apollo und die Musen sich mit der kaiserlichen Familie freuen, und den Segen des Himmels auf das frisch vermählten jungen Paar herab wünschen.

Die beiden Gemälde, die ich oben gepostet habe, und die sich heute in der Hofburg befinden, zeigen dieses Finale.
Das linke Gemälde befindet sich in der Präsidentschaftskanzlei der Wiener Hofburg, im ehemligen Arbeitszimmer Kaiser Joseph II., und das rechte Gemälde befindet sich im sog. "großen Vorzimmer" der Kaiserappartements.

Gothic meets Empire - erster Nähversuch

Long long Times ago....oder besser gesagt Anfang 2010, als meine Welt noch in Ordnung war, hatte ich mit großer Begeisterung und Engagement meinen zweiten Nähkurs bei Melanie Bodes in Bremen
absolviert, und während dieses Nähkurses mein erstes, und hoffentlich auch längst nicht letztes, Kleid geschneidert.
Besagtes Kleid ist sollte eine Symbiose aus Gothic und Empire werden, was mir auch, für´s erste Mal versteht sich, auch ganz gut gelungen ist.
Es besteht aus einem Unterkleid aus leider künstlich aussehenden Samt und einem vorne offenen Oberkleid aus floraler Spitze, auf welches ich noch vorne kleine schwarze Seidenröschen per Hand angebracht habe.

Komplettiert wird das Ganze durch eine passende Stola, die aus dem gleichen floralen Spitzenstoff besteht wie das Oberkleid, und ebenfalls mit schwarzen Seidenröschen verziert ist, sowie fingerlosen Handschuhen, welche mit roten Seidenröschen besetzt sind.

Bilder von dem Kleid und Acessoires wurden auf dem vikorianischen Picknick, einer Veranstalltung des WGT 2010, aufgenommen. Hier ein paar Impressionen, ich hoffe, sie gefallen Euch. :)

                                                    (mady by Xelorian-Arts, vielen Dank dafür :) )

Sonntag, 10. Juli 2011

Eine Verwechslungskomödie in Öl


Im Oktober 2009 war ich für fast eine Woche in Wien, und habe bei dieser Gelegenheit natürlich auch das Schloss Schönbrunn besucht.
Dort habe ich mich sehr gewundert, da ein sehr bekanntes Gemälde im sog. Kinderzimmer, dass meines Wissens nach die 12jährige Maria Antonia/ Marie Antoinette darstellt, nun plöztlich ihrer Schwester Maria Josepha (*19.03.1751 - †15.10.1767) zugeschrieben wird.

Von diesem Zeitpunkt an habe ich begonnen zu recherieren, und möchte das Ergebnis hier vorstellen.
Ich habe herausgefunden, dass bei dem besagten Bildnis wohl zu einer Verwechslung gekommen ist. Ein Bekannter hat, nachdem ich von dieser Begebenheit berichtet hatte, an die zuständige Kunsthistorikerin des Schloss Schönbrunn geschrieben, und ihr den Sachverhalt genau auseinander gesetzt.
Leider führte dieses aber zu keinem befriedigenden  Ergebniss, da die Expertin sich zu diesem Thema nicht recht äußern wollte bzw. konnte.
Seltsamer Weise hat die besagte Dame jedoch in ihrem sehr guten Buch über das Schloss und die Gärten von Schönbrunn aus dem Jahre 2001 jenes Gemälde noch richtig mit "Marie Antoinette" bezeichnet....

Durch einen reinen Zufall habe ich in einem italinischen Forum das Originalbild von Martin van Meytens dem Jüngeren ( *14.06.1695 - 23.03.1770) gefunden, welches anlässlich der bevorstehenden Vermählung König Ferdiand IV. von Neapel-Sizilien mit der Erzherzogin Maria Josepha von Habsburg-Lothringen angefertigt worden war.

Das Gemälde wurde 1766-1767 gemalt, und stellt Maria Josepha als regierende Königin beider Sizilien dar, was sehr gut zu erkennenist an der links neben ihr stehenden Königskrone von Neapel-Sizilien. Das Gemälde befindet sich im Residenzschloss von Caserta in Neapel.

Es sind zwar einige Gemeinsamkeiten zu erkennen wie z.B.:

~ die Körperhaltung,
~ die sog. Robe de Cour, die beide Erzherzoginnen hier tragen,
~ Teile des Schmucks,
~ der Thronsessel und
~ der Hermelinmantel

Zu den Unterschieden auf den beiden Gemälden zählen jedoch ganz eindeutig als absoluter Hauptaugenmerk:

~ die unterschiedlichen Kronen: (oben: Königskrone von Neapel-Sizilien; unten: Erzherzogshut von Österreich),
~ die diamental verschiedenen Gesichtszüge (Augenform und -abstand, Gesichtsform, markante Merkmale wie z.B.:
 ( oben: kein Grübchen im Kinn; unten: Grübchen im Kinn),

~ der gut zu erkennende Altersunterschied der Dargestellten:
  (oben: 16-17 Jahre alt; unten: 12-13 Jahre alt),
~ verschiedene Details bei Kleidung und Schmuck:
( oben: hat der Stoff  des Kleides als Farbe ein samtiges Rauch-Blau; 
 unten: ist ein ins fliederfarben schimmerndes Blau gegeben)
 (oben: kein Spitzenhäubchen; unten: Spitzenhäubchen vorhanden)
 (oben: eine Flechtzopf-Frisur; unten: eine Querlocken-Coiffure)

Zur besseren Vergleichsmöglichkeit sind hier nun die beiden beschriebenen Gemälde:

Maria Josepha 1767, Schloss Carserta:



  Marie Antoinette 1767, Schloss Schönbrunn:  


Nun gibt es für mich eine mögliche Theorie:

~ Höchst warscheinlich wurde das besagtes Bild zwei Mal angefertigt, einmal für Carserta und einmal für Schönbrunn.
Und als Maria Josepha dann so unerwartet verstarb, wurde das in Schönbrunn befindliche Gemälde teilweise übermalt und zu Marie Antoinette umgewandelt, da es nun nur noch sechs überlebende Töchter der Kaiserin Maria Theresia gab und nicht mehr sieben.
Das Gemäde in Carserta blieb warscheinlich aus Gründen des Gedächtnisses an die verstorbenen Maria Josepha unverändert.

In einem Buch des berühmten Wiener Kunsthistorikers Georg Johannes Kugler, dass er über Schönbrunn geschrieben hat, steht, das für Schloss Schönbrunn von 1767-1770 sechs Bildnisse der zu der Zeit noch lebenden Töchter Maria Theresias vom sog."Meister der Erzherzoginnenportraits" angefertigt wurden.
Die Erzherzoginnen, die auf den Gemälden jenes Meisters verewigt wurden, sind:

~ Maria Anna Josepha Antonia (* 06.10.1738 - † 19.11.1789), Äbtissin des Elisabethinnen-Stifts zu Klagenfurt
~ Maria Christina Johanna Josepha Antonia (* 13.05.1742 - † 24.06.1798), Herzogin v. Sachsen-Teschen
~ Maria Elisabeth Josepha Johanna Antonia (* 13.08.1743 - † 22.09.1808), Äbtissin des adeligen Damenstifts zu Innsbruck
~ Maria Amalia Josepha Johanna Antonia (*25.02.1745 -  † 18.06.1804), Herzogin v. Parma
~ Maria Karolina Ludovica Josepha Johanna Antonia (*13.08.1753 - † 08.09.1814), Königin v. Neapel-Sizilien
~ Maria Antonia Josepha Johanna (*02.11.1755 - † 16.10.1793), Königin v. Frankreich-Navarra

Wer mehr über die Prunkräume und die sechs Gemälde erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch des oben genannten Herrn Kugler:

"Die Prunkräume des Schlosses Schönbrunn" von G. J. Kugler:
http://www.bookfinder.com/dir/i/Schloss_Schonbrunn-Die_Prunkraume/3854476035/

Es ist unbestreitbar, dass jenes Gemälde Maria Josepha´s, dass sich heute im Residenzschloss von Caserta befindet, als Geschenk für König Ferdinand IV. nach Neapel ging, da sie seine Verlobte war und es seit mehreren Jahrhunderten Sitte war, Bildnisse der zukünftigen Bräute und Herrscherinnen an die Höfe ihrer Ehemänner zu schicken.

Vielleicht erklärt sich durch die beiden fast identischen Gemälde der kaiserlichen Schwestern auch das seltsam anmutende Bild von Maria Josepha im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg.
Jenes Gemälde wurde um 1767-1770, also nach Maria Josepa´s Tod durch die schwarzen Blattern, von einem Schülern Martin van Meytens angefertigt, und ich denke, dass es da zu einer Verwechslung mit dem übermalten Bild in Schönbrunn gekommen sein muss.
Das Bild im Riesensaal weist die selben Gesichtsmerkmale auf, wie das Gemälde Marie Antoinettes im Kinderzimmer von Schloss Schönbrunn.
Sprich, beide Gemälde (in Innsbruck und in Schönbrunn) weisen die Gesichtszüge Marie Antoinette´s auf, und nicht die ansonsten typischen Gesichtszüge von Maria Josepha:

Postumes Gemälde der Erzherzogin Maria Josepha im Riesensaal der Hofburg zu Innsbruck, 1767-1770:

 

Das war wohl mit einer der Gründe, weswegen Maria Theresia mit den Bildern im Riesensaal sehr unzufrieden war. Da ihr die Kosten für eine Aufbesserung der Gemälde jedoch zu hoch erschienen, belies Maria Theresia die Gemälde in ihrem ursprünglichen Zustand. Bis heute weiß man um den bekannter Maßen großen Prakmatismus der Kaiserin in solchen Dingen.

Auch unter Kunsthistorikern gelten die Gemälde im Riesensaal keinesfalls als Aushängeschilder der Werkstatt van Meyten´s, da sie teilweisen, und im krassen Gegensatz zu den anderen Werken des großen Meisters, Ungeschicklichkeit bei der Wahl der Farben, sowie zu grobe Pinselführung aufweisen, was für  Martin van Meytens sonst sehr untypisch ist.

Davon abgesehen gibt es in einem Nebenraum des Riesensaals, dem sog. Kapitelzimmer, einige sehr gute Bruststücke, die von der Hand Martin van Meytens selbst stammen, und die u.a. vier Töchter der Kaiserin Maria Theresias zeigen, darunter auch Maria Josepha in ihrem letzten Lebensjahr:

Maria Josepha 1767, Kapitelzimmer der Hofburg zu Innsbruck:


















Vergleicht man dieses Bruststück mit dem Ganzkörperbild im Riesensaal, so merken selbst Laien den Unterschied sofort: das Bruststück ist feiner, detailreicher und personifizierter.
Das Gemälde im Riesensaal dagegen erscheint dem Betrachter zu grob gemalt, nicht gut ausgearbeitet und mit eben jenen benannten Fehlern.

Absolut gewiss ist jedoch, dass Maria Josepha und Marie Antoinette sich kaum ähnlich sahen!
Marie Antoinette hatte z.B. ein Grübchen im Kinn, was man auch auf vielen anderen Gemälden von ihr entdecken kann, und Maria Josepha hatte keins.
Auch die Form und Abstand der Augen ist bei Beiden sehr unterschiedlich, sowie die ganze Form des Kopfes und Physiognomie des Gesichtes.
Sehr schön ersichtlich wird der äußerliche Unterschied zwischen den beiden Schwestern auf einem Gemälde des französischen Malers Pierre Benevaux, welches eigentlich für das Belvedere-Schloss in Wien angefertigt worden war, und heute im Westterrassenkabinett des Schlosses Schönbrunn hängt.

Maria Josepha und Maria Antonia als Flora und Ceres, 1759-1760
(v.l.n.r.: Maria Josepha, Maria Antonia):




Korrespondent dazu ist diese entzückende Miniatur aus dem Miniaturenkabinett der Maria-Theresia-Wohnräume (heute Präsidentschaftskanzlei) im Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg.
Gemalt wurde besagte Miniatur vom Künstler Johann Christph von Reinsperger (*1711 - 1777):

Miniatur der drei jüngsten Töchter Maria Theresias von Johann Christoph von Reinsperger, ca. 1760-1762: (v.l.n.r.: Maria Carolina, Maria Josepha, Maria Antonia)




 Detail der Miniatur von Johann Christoph von Reinsperger, ca.1760-1762:


Bei allen hier gezeigten Bildern kann man sehr viele einheitliche Gesichtsmerkmale erkennen, so das man eine recht gute Vorstellung bekommt, wie die Erzherzogin Maria Josepha ausgesehen haben muss.
Um die Beweiskette zu schließen, möchte hier noch zwei weitere Abbildungen Maria Josepha´s zeigen, die 1766 und 1767 anlässlich ihrer bevorstehenden Verlobung und Vermählung mit dem König von Neapel-Sizilien entstanden sind:

Bei dem um 1766 entstandenen Gemälde welche die junge Maria Josepha zeigt, handelt es sich nachweislich um eines der schönsten Werke des spanischen Hofmalers Anton Rafael Mengs (*12.03.1728 - †29.06.1779).
Es wurde im Auftrag von Maria Josepha´s zukünftigen Schwiegervater Karl III. von Spanien angefertigt,
und befindet sich heute im Padro von Madrid.

Maria Josepha von R. Mengs, 1766-1767:


Als Letztes möchte ich hier auf einen sehr guten Kupferstich verweisen, der von Franz Xaver Wagenschön (*02.09.1726 - 01.01.1790) angefertigt wurde und bei
Johannes Thomas Edlen von Trattner (*20.12.1719 - 31.07.1798) verlegt wurde.
Auftraggeberin dieses Werkes war Kaiserin Maria Theresia.
Die erste Version des Brautbildes, die Trattner Maria Theresia vorgelegte, gefiel der gestrengen Monarchin nicht, da sie Maria Josephas´s charmante Gesichtszüge nicht gut wiedergab.
Nicht umsonst wollte Maria Theresia die Schönheit ihrer Tochter ins rechte Licht gestellt wissen, war diese doch von staatspolitischer Bedeutung.
Die zweiter Version, (die hier gezigt wird), fand den vollsten Gefallen der Monarchin und Maria Theresia soll gesagt hat, das Bildnis sähe Maria Josepha "ganz nach der Natur ähnlich".
Nach mündlichen wie schriftlichen Aussagen von Zeitzeugen, wie z. B. dem bis heute berühmten österreichischen Hofchronisten und Tagebuchschreibers Johann Joseph Fürst von Khevenhüller-Metsch (*1706 - †1776), sowie verschiedener Botschafter anderer europäischer Könighöfe, galt Maria  Josepha als "herrlisch schön, geschmeidig von der Natur" (Zitat: "Marie Antoinette" von Antonia Fraser, engl. Ausgabe).

Maria Josepha als Braut Ferdinands IV. von Neapel,  Kupferstich aus dem Jahr 1767:


(Text auf dem Bildrand: "Ex Officina Joan Toma Nobilis de Trattner 1767")
 
Nun am Ende meiner Recherchen komme ich zu der festen Gewissheit, dass das Bildnis im Kinderzimmer des Schlosses Schönbrunn niemals Maria Josepha darstellen kann, sondern eindeutig die kindliche Marie Anntoinette im Alter von 12-13 Jahren!
 Leider wird man darüber erst 100%ige Gewissheit haben, wenn eines Tages eine Röntgenanalyse der Bildes in Schönbrunn in Auftrag gegeben wird, oder der Sarkophag von Maria Josepha in der Kapuzinergruft geöffnet und eine Gesichtsanalyse durchgeführt werden wird.