Sonntag, 13. November 2011

Festreigen der Musen - Il Parnaso confuso

Am 24. Jenner des Jahres 1765 wurde im Sale d´bataille des Schlosses Schönbrunn die Oper "Il Parnaso confuso - Die Verwirrung der Musen"  uraufgeführt. Dieses bezaubernde Werk des begnadeten, und bis heute in der Welt der klasischen Musik hoch angesehenen, Kompositeurs Christoph Willibald Gluck gilt neben seinem Hauptwerk "Il Chinesi" zu seiner bekanntesten und schönsten Komposition. Das Libretto für diese Oper schrieb der Hofpoet Abate Pietro Metastasio (198-1782).
 "Il Chinesi - Die Chinesen" war im übrigen die Lieblingsoper Maria Theresias.

Geschaffen wurde diese 73 Minuten dauernde Serenata anlässlich der Hochzeitsfestlichkeiten des ältesten Sohnes Maria Theresias, den späteren Kaiser Joseph II. (1741-1790), mit der churfürstlich-bayrischen Prinzessin Maria Josepha Antonia (1739-1767).
Es war Josephs zweite Ehe, die er nur mit größtem Wiederwillen einging. Von 1760-1763 war er mit der berückend schönen, hochintelligenten und exaltierten Isabella Maria von Parma (1741-1763) verheiratet, die er sehr liebte und anbetete.
Als Isabella im November 1763, noch sehr geschwächt durch die Frühgeburt ihrer Tochter Christine, an den schwarzen Blattern verstarb, war Joseph zutiefst unglücklich.  In einem sehr berührenden Brief an seinen Schwiegervater in Parma schrieb Joseph: "Ich habe alles verloren. Meine Gattin, der Gegenstand all meiner Zärtlichkeit, meine einzige Freudin ist nicht mehr... Betrübt und bedrückt weiß ich kaum, wie ich weiterleben soll. ... Werde ich überleben können? Wenn ja, so nur, um mein ganzes Leben hindurch unglücklich zu sein..."
Diese Worte sollten sich im Rückblick als wahrhaft prophetisch erweisen. Joseph war und blieb ein einsamer Mensch, er wurde immer mehr zu einem Asketen auf dem Kaiserthron, seine Seele und sein Herz waren hart und anderen Menschen unzugänglich geworden.

Als er sich, von seinen Eltern dazu gedrängt, 1764 dazu entschied die bayerische Prinzessin zu ehelichen, geschah dies beleibe nicht aus Liebe. Josephs erste Pflicht als Thronfolger war es für einen, oder besser mehrere eingedenk der hohen Kindersterblichkeit, männliche Nachkommen zu sorgen, damit der männliche Stamm des Hauses Habrbugr-Lothringen nicht ausstarb.
Viel Auswahl hatte Joseph auf seiner Brautschau nicht. Die in Frage kommenden Bewerberinnen mussten mehrere Bedingungen erfüllen, sie mussten aus einem den Habsburgerin ebenbürtigem Adelsgeschlecht stammen, jung und gesund sein, und vor allem katholischen Glaubensbekenntnisses sein.
Unter den vielen Prinzessinen, die das absolutistische Europa damals zu bieten hatte blieben schlussendlich nur zwei Kandidatinnen, Maria Kunigunde von Sachsen (1740-1826), Tochter des Churfürst-Königs Friedrich August II von Sachsen-Polen (1696–1763) , und Maria Josepha von Bayern, ihres Zeichens Tochter Kaiser Karls VII. (1679-1745) und der Erzherzogin Maria Amalia (1701-1756).
Da ihm Kunigunde von Sachsen zu hässlich und ungebildet war, entschied sich Joseph notgedrungen für die, in seinen Augen weniger übel geratene, Maria Josepha.

Eine Beschreibung aus Josephs Feder ist erhalten geblieben, die er seinem ehemaligen Schwiegervater nach Parma sannte, und die kein gutes Haar an der armen Josepha lies: "Die Prinzessin von Bayern ist 26 Jahre alt, von kleiner und dicker Gestallt, und mit hässlichen Zähnen ausgestattet. ... Wie sie nach den Pocken einmal ausschauen wird, die sie noch nicht gehabt hat, mah ich mich garnicht ausmalen. Der Ehestand mit ihr ist für mich undenkbar, wie es das ertragen soll, wo ich in meiner ersten Ehe das absolute Gegenteil vorfand, weiß ich beim besten Willen nicht zu sagen."

Keine guten Vorraussetzungen für eine Ehe. Trotzdem wurde am 23. Jenner 1756 der Bund des Lebens zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Menschen geschlossen.
Die  Festlichkeiten die sich an die Trauung in den kommenden Tagen anschlossen, waren keinesfalls so prächtig und überschwenglich wie jene im Jahre 1760.

Höhepunkt der Festlichkeit war am Abend des 24. Jenner eben jene Oper "Il Parnaso Confuso", die von vier Schwestern des Bräutigams gesungen wurde. Die gesangliche Leistung, die diese vier jungen Mädchen dabei erbrachten, muss so beachtlich gewesen sein, dass der Hofpoet Abate Pietro Metastasio (198-1782), der das Libretto der Oper verfasste, auf seinem Totenbett noch darüber sagte, er habe niemals in seinem ganzen Leben  eine schönere Sopranstimme gehört als die der Erzherzogin Amalia!

"Il Parnaos confuso" I. Version                   
   


  "Il Parnaso confuso" II. Version

(v.l.n.r.: Maria-Josepha als Muse Euterpe, Maria-Elisabeth als Muse Melopomene, Maria-Amalai als Sonnengott Apollo, und Maria-Carolina als Muse Erato)
                                                                


                                           Aufführung im Sale d´bataille zu Schönbrunn
(erste Reihe v.l.n.r.: Erzg. Joseph, Kaiser Franz I. Stephan, Kaiserin Theresia,                         Prinzessin Josepha von Bayern, Erzherzoginnen Maria-Anna & Maria-Christina, Prinzessin Charlotte von Lothringen (Schwester Franz Stephans) und ihr Bruder Prinz Karl-Alexander von Lothringen. Im Orchestergraben dirigiert Erzg. Leopold als Maestro al Cembalo die Vorstellung)    


Diese "kleine Operchen", wie es der Hofchonisch Johann Joseph Khevenhüller-Metsch (1707-1767) so treffend bezeichnete, handelt von dem Problem eines künstlerischen Einfalls.
Man muss bedenken, dass Metastasio und Gluck bei den vielen feierlichen Anlässen wie Geburtstagen, Namenstagen, Todestagen, Hochzeiten, Taufen, Toisonsfeiern, ec. p.p. so viel zu tun hatten, dass ihnen kaum noch passenden Sujet´s einfallen wollten, um diesen Feiern einen angemessenen Rahmen zu verleihen. Auf dieses nicht ganz undelikate Problem macht Metastasio in seinem Libretto wie man so schön sagen würde "durch die Blume" aufmerksam.
Auch ärgerten sich Gluck und Metastasio über die sehr strengen Vorschiften, die im Bezug auf die Kostüme der Erzherzoginnen galten, darin sahen sie eine weitere Beschränkung ihrer künstlerischen Freiheit.

Die Handlung spielt auf dem Berg Parnas, der Heimat der neun olympischen Musen, ihres Herrn Apollo, des Gottes der Sonne und der Musik, und des Musenroses Pegasus .
Dort führen die Musenschwestern Erato (Maria Carolina, 13 J.), Melopomene (Maria Elisabeth, 21 J.) und Euterpe (Maria Josepha, 14 J.) ein Leben in Müsigkeit. Schon lange hat niemand mehr von Ihnen eine Probe ihres großen Könnens gefordert. Da erscheint eines Tages Apollo (Maria Amalia, 19 J.) bei seinen Musen, und fordert diese auf einen Lobgesang zu den Hochzeitsfeiern Josephs mit 'Bayerns schönster Rose' beizutragen, die bereits am kommenden Tag statt finden wird. Die Verwirrung bei den Musen ist mehr als groß, da sie nicht wissen, wie sie ein solches Werk in so kurzer Zeit bewältigen sollen, daher lies Metastasio seine Musen Beschwerde darüber führen, dass Apollo ihnen nur so gerine Vorbereitsungszeit gewährt habe...



                                                     Maria Elisabeth als Melopomene
Melopomene klagt in ihrer berührenden Aria da capo "In un mar, che non ha sponde - Auf einem Meer ohne Ufer" , dass sie sich fühle wie ein kleines Schiffchen, dass hilflos auf den tosenden Wellen unhergeworfen wird.



                                                      Maria Amalia als Apollo
                                                   


Apollo macht den Musen daraufhin Mut und gemahnt sie an ihre Pflicht und Tradition in der Aria da capo "In fronte a voi risplende per la sublime impresa - Bevor du verzweifelts an unserem großen Unternehmen". Darauf verässt Apollo seine verzweifelten Musen, um die anderen sechs Musen zu suchen und hinzu zu holen, verspricht jedoch beim Schein der ersten Morgenröte zurück zu kehren, um mit seinen Schwestern gemeinsam zu den Feierlichkeiten zu erscheinen.



Maria Carolina als Erato
                                                  


Erato, die Muse der Liebesdichtung, lässt ihre Lyra erklingen und singt eine der schönsten Arien dieser Oper "Di questa cetra in seno pien di dolezza - Liebe mit der Lyra besungen erweckt selbst die Begrabenen" . Doch dieses Lied erscheint Euterpe als zu traurig, und wird darum verworfen.


                                                       Maria Josepha als Euterpe


Euterpe, die Muse der lyrischen Poesie spielt die Flöte (in der Oper durch eine Oboe vertont) und sing die überirrdisch schöne Pastoral-Aria da capo "Fin lá dove l´aurora - Dort wo der Morgengrauen vergoldet", doch auch dieses Stück wird von Erato und Melopomene als ebenfalls unpassend und zu wenig bedeutend empfunden.                    
 
Den ganzen Abend und die ganze Nacht hindurch suchen die drei verzweifelt nach einem passenden Sujet aus der antiken Mythologie, doch weder die Hochzeit von Peleus und Thetis, noch die von Herkules und Hebe, geschweige denn die Amor-und-Psyche-Liebesgeschichte erscheinen ihnen passend zu einem solchen Anlass.

Die Nacht weicht dem Tag, und noch immer haben die schönen Musen, gegenseitigem Ausprobieren der Instrumente zum Trotz, nichts zu Wege gebracht.
Da kehrt Apollo zurück, verärgert darüber das er die anderen Musen nicht hat finden können, und ruft die drei verliebenen auf, auch mit leeren Händen an dem großen Fest teil zu nehmen, da man es ihnen ob ihrer schönen Stimmen, ihres Talents und ihrer angenehmen Erscheinung nicht übel nehmen würde.

Die Aufführung endet mit einem zauberhaften hoffnungsvollen Duett von Apollo und Melopomene mit dem Titel "Nel mirar solo i sembianti - Lasst uns nur die Gesichter sehen" und einem freudenvollen Quartett "Di lor ciglia un lampo - Der Blitz ihrer Augen" , in dem Apollo und die Musen sich mit der kaiserlichen Familie freuen, und den Segen des Himmels auf das frisch vermählten jungen Paar herab wünschen.

Die beiden Gemälde, die ich oben gepostet habe, und die sich heute in der Hofburg befinden, zeigen dieses Finale.
Das linke Gemälde befindet sich in der Präsidentschaftskanzlei der Wiener Hofburg, im ehemligen Arbeitszimmer Kaiser Joseph II., und das rechte Gemälde befindet sich im sog. "großen Vorzimmer" der Kaiserappartements.

Kommentare:

  1. Liebe Sepha,
    vielen Dank für die schöne Darstellung der damaligen Aufführung. Anhand meines Avas erkennst du mich bestimmt ; )

    Liebe Grüße!!

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  2. Weißt du, warum Maria Amalai als Sonnengott Apollo dargestellt wurde?

    liebe Grüße
    Kät

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  3. Meine Lieben,

    habt Dank für eure lieben Kommentare, ich habe mich sehr darüber gefreut. :)

    @Kät: Maria Amalia wurde als Sonnengott Apollo dargestellt, da sie diese Rolle im Parnaos Confuso gesungen hat.
    Es war damals nicht unüblich, die Rolle von jüngen Göttern in Opern entweder Soprankastraten oder hochgewachsenen Sopranistinnen spielen und singen zu lassen.

    Liebe Grüße,
    Sepha

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  4. Ah, danke!

    Es lohnt sich immer, deinen Blog zu durchstöbern. :)

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